Text: Plastikmenschen

„Ich war müde“, ist nur ihre Antwort auf meine Frage, warum ein so hübsches, junges Mädchen wie sie, in eine so alte und langweilige Kleinstadt mitten in der Pampa, wie diese zieht. „Müde, wovon?“, frage ich sie und sie antwortet mir: „Müde von der Plastikstadt aus der ich komme und unendlich müde von den Plastikmenschen, die dort herumlaufen.“ Ich frage mich nun wirklich, was sie da für ein unsinniges Zeug faselt. Sie steht nun da und schaut mich intensiv und prüfend an. Sie hofft wohl, ich würde sie verstehen, aber das tue ich nicht. Ich kann sie ja kaum ernst nehmen, wenn sie nun in ihrer Küche mit ihren Kuschelsocken vor einem Mülleimer hockt und Barbiepuppen die Haare total wüst abschneidet. „Ich versteh wirklich nicht, was du meinst“, antworte ich und als ich es aussprach, legt sie die Schere zur Seite, lässt die Puppe in den Mülleimer fallen und nimmt sanft ihre Hand in meine. Sie führt mich raus und läuft, nur mit ihren Kuschelsocken an den Füßen Richtung Küste. Sie öffnet die schwere Metalltür unseres Leuchtturmes, der abends den Schiffen entgegen leuchtet und wir steigen die alten Holztreppen empor. Oben angekommen, stellen wir uns draußen hin und beobachten die kleine Stadt. Irgendwann sagt sie: „Da wo ich herkomme, ist alles unecht. Alles total falsch. Aus Plastik eben.“ Ich starre auf die Stadt und versuche krampfhaft passende Worte zu finden. Aber mir fällt nichts ein…Am nächsten Morgen öffne ich die Augen und das Erste, woran ich denken musste, war der gestrige Tag und das ich einfach keine Worte finden konnte. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und fange an zu zeichnen. Es entstand nach drei Stunden Arbeit ein Comic, indem ich meiner Meinung eine Stimme geben konnte. Ich drucke meine Zeichnung circa fünfzig Mal aus, sehe mir das Original an und laufe schnell zu dem Briefkasten, an dem mit krakeliger Schrift „LEA K.“ steht und werfe es hinein. Die anderen Exemplare, die mein Drucker nun fertig gedruckt hat, verteile ich in der ganzen Stadt. Ich wusste nun, was sie meinte und ich wollte, dass es auch alle anderen wussten. Die meisten Leute, die hier auf der Erde rumlaufen, sind aus Plastik.

 

Von Eileen

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