Text: Anthologie 2017

26167282_904946773011865_7028649757868585926_nEndlich ist sie da! Die Anthologie mit Texten der Schüler*innen aus Töpchin und Massen, die über das Jahr entstanden sind. Gedichte, Geschichten und auch Collagen fanden ihren Weg ins Heft – viel Vergnügen beim Lesen! : )

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Die Welt für Andere

Hallo ich heiße Victoria. Als ich 25 Jahre alt war, wohnte ich in Kabizien. Dieses Land ist in der Nähe von Carabien. Ich weiß nicht, ob ich viel über mich erzählen kann. Ich wohnte in einem kahlen Raum. Er hatte nur weiße zerbröselte Wände, einen schmutzigen grauen Teppich und noch ein paar Sachen, die ich mir selber leisten konnte. Doch jetzt ist alles anders. Das alles habe ich nur meinem einzigen Freund zu verdanken. Kaven heißt er. Er ist der Beste. Ich kenne ihn schon seit dem Kindergarten und bin immer noch sehr eng mit ihm befreundet. Darüber bin ich froh, denn wahrscheinlich hätte ich mich ohne ihn schon umgebracht! Ich hatte, als ich ungefähr 16 Jahre alt war, eine schwere Zeit. Mein Vater starb bei einem Autounfall. Das hatte mich hart getroffen. Meine Mutter war Alkoholiker und meine kleine Schwester Peppa lebte bei unserer Großmutter. Deswegen fing auch ich an viel zu trinken und nahm Drogen zu mir. Ich war deswegen auch nicht mehr in der Lage meine Mutter zu hegen. Sie musste ins Altersheim. Zwei Tage später ist auch sie gestorben. Es war schlimm. Aber dank meines Freundes Kaven, geht es mir jetzt schon viel besser. Ich trinke keinen Alkohol mehr und nehme auch keine Drogen. Ich bin jetzt mittlerweile 26 Jahre alt und habe sogar Kinder. Zwei Jungen und drei Mädchen. Ich liebe sie über alles und bin froh sie zu haben. Ich lebe mit ihnen in Chicago, um mein altes schreckliches Leben hinter mir lassen zu können. Wir wohnen in einem gelben Haus mit dem schönsten Garten, den man sich vorstellen kann. Nun konnte ich die Zeit sinnvoll nutzen. Früher hatte ich die Zeit nicht beachtet. Eigentlich wusste ich gar nicht, was Zeit ist oder was sie bedeutet. Ich hatte nicht mal eine Uhr, weil ich obdachlos war.

 

Von Lea

Text: Du kannst sein, wer du willst

Umso mehr wir nachdenken, umso mehr Fehler sehen wir an uns. Wir sehen nicht, wie schön unsere Haare liegen, sondern dass der Lidstrich verrutscht ist und der blöde Nagellack schon wieder verschmiert ist und du deine Nägel jetzt zum dritten Mal lackieren musst. Uns wurde beigebracht, nie aufzuhören nach Wissen zu streben, dass wir immer nachfragen und alles in Frage stellen sollen. Wir gucken auf unsere Petzer, die jeder hat und wer das nicht zugibt, ist einfach zu stolz, um für sich selbst einzustehen. Wir beachten negative Dinge viel mehr als positive. Wenn ich dich zum Beispiel fragen würde: „Was hat dich heute geärgert?“, könntest du mir ohne viel nachzudenken einige Dinge aufzählen. Aber frage ich, worüber du dich heute gefreut hast, könntest du nicht gleich antworten. Wir probieren alles zu vertuschen, was uns peinlich sein könnte, aber wir entscheiden selbst, was uns peinlich ist und was nicht. Also wenn dir das nächste Mal irgendwas Doofes passiert, dann lach auch mal über dich selbst, denn das sind die Menschen, mit denen du Spaß haben und etwas erleben kannst. Du kannst sein, wer du willst.

 

Von Sophia

Text: Plastikmenschen

„Ich war müde“, ist nur ihre Antwort auf meine Frage, warum ein so hübsches, junges Mädchen wie sie, in eine so alte und langweilige Kleinstadt mitten in der Pampa, wie diese zieht. „Müde, wovon?“, frage ich sie und sie antwortet mir: „Müde von der Plastikstadt aus der ich komme und unendlich müde von den Plastikmenschen, die dort herumlaufen.“ Ich frage mich nun wirklich, was sie da für ein unsinniges Zeug faselt. Sie steht nun da und schaut mich intensiv und prüfend an. Sie hofft wohl, ich würde sie verstehen, aber das tue ich nicht. Ich kann sie ja kaum ernst nehmen, wenn sie nun in ihrer Küche mit ihren Kuschelsocken vor einem Mülleimer hockt und Barbiepuppen die Haare total wüst abschneidet. „Ich versteh wirklich nicht, was du meinst“, antworte ich und als ich es aussprach, legt sie die Schere zur Seite, lässt die Puppe in den Mülleimer fallen und nimmt sanft ihre Hand in meine. Sie führt mich raus und läuft, nur mit ihren Kuschelsocken an den Füßen Richtung Küste. Sie öffnet die schwere Metalltür unseres Leuchtturmes, der abends den Schiffen entgegen leuchtet und wir steigen die alten Holztreppen empor. Oben angekommen, stellen wir uns draußen hin und beobachten die kleine Stadt. Irgendwann sagt sie: „Da wo ich herkomme, ist alles unecht. Alles total falsch. Aus Plastik eben.“ Ich starre auf die Stadt und versuche krampfhaft passende Worte zu finden. Aber mir fällt nichts ein…Am nächsten Morgen öffne ich die Augen und das Erste, woran ich denken musste, war der gestrige Tag und das ich einfach keine Worte finden konnte. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und fange an zu zeichnen. Es entstand nach drei Stunden Arbeit ein Comic, indem ich meiner Meinung eine Stimme geben konnte. Ich drucke meine Zeichnung circa fünfzig Mal aus, sehe mir das Original an und laufe schnell zu dem Briefkasten, an dem mit krakeliger Schrift „LEA K.“ steht und werfe es hinein. Die anderen Exemplare, die mein Drucker nun fertig gedruckt hat, verteile ich in der ganzen Stadt. Ich wusste nun, was sie meinte und ich wollte, dass es auch alle anderen wussten. Die meisten Leute, die hier auf der Erde rumlaufen, sind aus Plastik.

 

Von Eileen